JA zum Kantonsproporz

Die Grünen empfehlen ein JA zum Gegenvorschlag des Kantonsrats zur Majorzinitiative.
Leserbrief von Toni Reichmuth, Steinen, Präsident Grüne Kanton Schwyz

Alle Vögel sind schon da …

Im Biotop des Schwyzer Kantonsrates soll eine grosse Vielfalt sein. Möglichst viele Arten und Individuen sollen die Bevölkerung und die Gemeinden vertreten. Verglichen mit eine Vogel-Volière hat es Platz für alle: Zaunkönige, Stockenten, Kampfhähne, Rohrdommeln, Drosseln, Eisvögel, Finken, Spechte und Stare …In menschengemachten Wahlsystemen haben aber Raub- und Parasitenvögel nichts mehr verloren. Da sollen in Zukunft Gleichheit  und Gerechtigkeit walten.

Noch im 19. Jahrhundert kreiste nämlich alle vier Jahre bei Kantonsratswahlen der Schwarze Milan (Majorz) über dem Schwyzer Ländli. Er sicherte faktisch die absolute Herrschaft des Zweiparteiensystems. Diesen Raubvogel verscheuchte das Schwyzer Volk pionierhaft schon im Jahre1898; zwar nur halbwegs, leider, denn in den 13 kleinen Gemeinden hält sich der Majorz bis heute. Immerhin: Seit 117 Jahren wird in den 17 grösseren Gemeinden nach dem Kuckucks-Proporz nach d’Hondt/Hagenbach-Bischoff gewählt. Dieses mathematische Verfahren heisst aber in Wirklichkeit: Divisorverfahren mit Abrundung. Abrundung ? Ja, Abrundung! Konkret bedeutet das: In Gemeinden mit 2-3 Sitzen befördert der hungrige Grossparteien-Kuckuck die Stimmen der kleinen Sing-Vögel – wenn sie denn überhaupt zur Wahl angetreten waren – noch am Wahltag nach Urnenöffnung und Zählung meistens wertlos in den Stimmen-Schredder! Und in grösseren Gemeinden fielen den fetten Kuckucks-Parteien die Restmandate dank der Abrundung 100 Jahre lang richtiggehend in den Schlund. Viele Wählerinnen trösteten sich jeweils mit dem Wort „Proporzpech“, obwohl es bei der Abrundung um handfeste, parteiische  Begünstigung ging. Man stelle sich einmal ein solches Kuckucksystem im Finanz- oder Wirtschaftsbereich vor: Rappen (Reststimmen) würden ab- oder aufgerundet, je nachdem ob im Kaufakt keine oder viele Franken (Vollmandate) im Spiel sind, nach dem Prinzip: Den Grossen wird gegeben, den Kleinen wird genommen. Absolut undenkbar! Auf Märkten und in der Buchhaltung wurde deshalb die unparteiische, kaufmännische Rundung (= Standardrundung) schon vor  700 Jahren eingeführt.

Am 8. März dürfen wir nun endlich abstimmen und können wieder einen kleinen Schritt vorwärts Richtung Gerechtigkeit und Vielfalt gehen. Nach jahrelangem Zaudern und gestossen von Volksinitiativen schlagen unsere Regierung und eine satte Zwei-Drittels-Mehrheit des Kantonsrates uns den in Nidwalden, Zug, Zürich, Aargau und Schaffhausen erprobten Gleichheits-Proporz vor mit den Prinzipien: „Jede Stimme zählt! – in jeder Gemeinde gleichviel – und es wird überall kaufmännisch gerundet und verteilt!“ Dieser Kantonsproporz mit Sitze-Garantie jeder Gemeinde und zusätzlicher Eintrittsschwelle für Neue ist eine echt schwyzerische Kompromiss-Leistung. Damit wird die Vielfalt der Meinungen, Strömungen und Gemeinden im Kantonsrat erhalten, allen Wählenden des Volkes der gleiche Wahlerfolg garantiert, jungen oder innovativen Kräften und Köpfen mit einem gewissen Leistungsausweis eine gleiche, gerechte und faire Chance geboten und endlich wieder Einklang mit den Grundrechten der Kantons- und Bundesverfassung hergestellt.! Eine Schwyzer Grosspartei aber schlägt uns als Alternative den Rückwärtsgang ins 19. Jahrhundert vor; mit dem Schlagwort der Einfachheit befürwortet sie den Majorz, genauer gesagt  einen undemokratisch-tollkühnen Krüppel-Majorz mit einem einzigen Wahlgang ohne absolutes Mehr, einen Falken-Majorz nach dem Prinzip „der Sieger schlägt und erhält alles“. Diese angestrebte Dominanz einer Grosspartei wäre das Ende der Vielfalt im Schwyzer Kantonsrat und zudem für Parlamentswahlen in der Schweiz ein unerprobtes Novum und Kuriosum.

Stimmen Sie JA zum Kantonsproporz mit Sitzgarantie, zum ausgewogenen Kompromiss der sieben Vielfalts-Parteien! Kreuzen Sie auch bei der Stichfrage den Kantonsproporz an! Stimmen Sie NEIN zum Majorz! Herzlichen Dank.

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